Der amerikanische Collie

Wie der englische Typ stammt auch der amerikanische Collie von Schottischen Schäferhunden ab. Vor etwa 200 Jahren begannen in England die nicht in der Landwirtschaft tätigen Liebhaber dieser Rasse, ihre Hunde an die Schönheitsideale des damaligen Ausstellungswesens anzupassen. „Edle“ Hunde dieser Zeit hatten schmale Köpfe. Windhunde standen beim Adel hoch im Kurs. So mag manch ein Barsoi in der Collie-Zucht mitgemischt haben. Viele Collie-Köpfe lassen heute noch die Verwandtschaft erahnen.

Die nicht mehr hütenden Collies durften langhaariger sein. Wetterfestigkeit spielte keine große Rolle mehr. So wurden die englischen Linien immer plüschiger, feiner und weicher in der Fellstruktur. Anders in Amerika: Hier macht der Langhaar-Collie auch heute noch der Bezeichnung „Rough Collie“ (rough = rauh, harsch) alle Ehre. Er hat zwar auch üppiges, weiches Unterfell, das aber längst nicht so langhaarig ist wie beim englischen Typ. Sein Deckhaar ist sehr kräftig, deutlich länger als das Unterfell und auch heute noch harsch im Griff. Der Standard beschreibt acht anerkannte Fellfarben, also deutlich mehr als der englische Standard, der nur drei Farben anerkennt. Alle acht Farben sind auch beim „Smooth Collie“ (smooth = glatt, kurz), dem Kurzhaar-Collie, vertreten.
Der amerikanische Collie hütet bei Bedarf auch noch Schafe oder Rinder. Dafür ist er langbeiniger und insgesamt größer geblieben als der englische Typ, der verstärkt seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für die Stadtbevölkerung kleiner und leichter gezüchtet wurde. Der amerikanische Collie ist von der Fédération Cynologique Internationale (FCI), dem größten kynologischen Dachverband mit Sitz im Belgien, noch nicht als eigenständige Hunderasse anerkannt. Auf FCI-Ausstellungen gilt der englische Standard. Trotzdem erfreut sich der pflegeleichte und ursprünglich gebliebene amerikanische Collie bei den Welpenkäufern zunehmender Beliebtheit.

Charakter & Verhalten
Den amerikanischen Collie zeichnet ein freundliches, unerschrockenes Wesen aus. Er hat eine hohe Reizschwelle und bleibt in allen Lebenslagen ruhig, gelassen und leichtführig. Andererseits ist er durchaus ein temperamentvoller Arbeitshund, der sich bestens für die unterschiedlichsten Aufgaben motivieren und ausbilden lässt. Amerikanische Collies sind sehr auf den Menschen bezogene und besonders intelligente Hunde. Sie lernen unglaublich schnell – eine Eigenschaft, die allen guten Trainern große Freude bereitet. Zu Hause liegt der amerikanische Collie meist auf seinem Platz und träumt vor sich hin – ist aber sofort da, wenn etwas Spannendes passiert oder ein Spaziergang ansteht. Mit Kindern versteht er sich hervorragend. Auch anstrengende Kleinkinder erträgt er in der Regel mit stoischer Ruhe. Wird es ihm zu viel, geht er einfach und zieht sich auf seinen Ruheplatz zurück. Im Umgang mit anderen Hunden ist der amerikanische Collie ebenfalls sehr friedfertig und freundlich. Das Gleiche gilt für den Umgang mit anderen Tieren im Familienverbund.

Beschäftigung & Erziehung
Der amerikanische Collie ist ein „Familienmensch“. Er liebt es, überall dabei zu sein und baut eine sehr enge Bindung zu seiner Familie auf. Er ist ein „Teamplayer“, der leicht zu motivieren ist und sehr schnell lernt. Stupide Wiederholungsübungen findet er langweilig, da kann er schon mal dickköpfig werden. Aber jede Art von Beschäftigung wie Agility, Obedience, Dog-Dancing, Mantrailing etc. betreibt er mit Begeisterung. Es muss aber nicht unbedingt Hundesport sein. Fahrrad fahren, Joggen, oder auch als Reitbegleithund durch Wald und Flur zu streifen ist für den amerikanischen Collie genauso schön. Dabei entwickelt er in der Regel keinen Jagdtrieb, sondern bleibt immer eng bei seiner Begleitperson.

Eine Stunde intensive Beschäftigung mit seiner Bezugsperson reicht aus, die üblichen kleinen Spaziergänge zum Lösen kommen dazu. Er ist kein Bewegungsjunkie wie der Border Collie. Im Haus ist er ruhig und unauffällig. Der amerikanische Collie ist sensibel und intelligent, daher leicht zu erziehen und auch für Hundeanfänger geeignet. Zur Unterstützung ist jedoch eine gute Hundeschule ratsam. Härtere Erziehungsmaßnahmen sind bei ihm völlig unangebracht. Der Collie muss mit Liebe und Konsequenz erzogen werden, dann ist er ein wundervoller Partner.

Anlagen & Gesundheit
 Der amerikanische Collie gehört zu den Hütehunden und kann daher auch von deren speziellen Gesundheitsbelastungen betroffen sein. Dazu zählt der MDR1-Defekt, der eine schwere Medikamentenunverträglichkeit zur Folge hat. Durch einen Gentest kann dieser Defekt festgestellt, durch gezielte Anpaarungen sogar komplett vermieden werden. Seriöse Züchter lassen alle ihre Zuchthunde testen. MDR1 +/+ Hunde sind komplett frei, +/- Hunde sind selbst nicht betroffen, können den Defekt aber vererben und -/- Hunde sind betroffen und vererben ihn weiter. Eine Konzentration auf reine MDR1 +/+ Collies ist in Deutschland momentan nicht sinnvoll, da sonst der Genpool zu klein würde und andere Probleme auftreten können.

 Weiterhin sind bei Hütehunden erbliche Augenerkrankungen verbreitet, allen voran die Collie-Eye-Anomaly (CEA). Welpen sollten daher im Alter von sechs bis acht Wochen von einem Augenspezialisten untersucht werden, um eine mögliche Erkrankung zu diagnostizieren.

Relativ häufig findet man zudem bei großen und speziell bei Hütehunden die degenerative Myelopathie (DM). DM ist eine fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks. Sie tritt überwiegend bei älteren Hunden etwa ab dem 8. Lebensjahr auf. Bei den betroffenen Tieren kommt es zu einem Abbau der langen Rückenmarksbahnen. Das Resultat sind Störungen des Bewegungsablaufes und eine zunehmende Hinterhand-Schwäche bis zur kompletten Lähmung der Hinterhand. Ähnlich wie bei MDR1 gibt es 3 Genotypen: Genotyp N/N (homozygot gesund): Dieser Hund trägt die Mutation nicht und hat ein extrem geringes Risiko an der Krankheit zu erkranken. Es kann die Mutation nicht an seine Nachkommen weitergeben.
Genotyp N/DM (heterozygoter Träger): Dieser Hund trägt eine Kopie des mutierten Gens. Er hat ein extrem geringes Risiko, an der Krankheit zu erkranken, gibt die Mutation aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an seine Nachkommen weiter.
Genotyp DM/DM (homozygot betroffen): Dieser Hund trägt zwei Kopien des mutierten Gens und hat ein extrem hohes Risiko an der Erbkrankheit zu erkranken. Es gibt die Mutation zu 100% an seine Nachkommen weiter.

Bei der Hüftdysplasie (HD) unterscheidet man 5 Varianten:

  • A = HD-frei
  • B = Übergangsform
  • C = leichtgradige HD
  • D = mittelgradige HD
  • E = hochgradige HD

Der amerikanische Collie gehört zu den größeren Hunderassen. Um später Gelenkprobleme zu vermeiden, sollte der Junghund nicht übermäßig sportlich belastet und so gefüttert werden, dass er schlank bleibt. Wer als Welpenkäufer einen Welpen aus HD-freien Elterntieren erwirbt, der bietet seinem Hund die Grundlage für ein gesundes und aktives Leben inmitten seiner Familie.

Steckbrief
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Klassifikation nach FCI: bislang nicht als eigenständige Rasse anerkannt
•  Herkunft: Schottland, weitere züchterische Bearbeitung in den USA und Kanada
•  Größe: Rüden 60-66 cm, Hündinnen 55-61 cm
•  Gewicht: 23-34 kg
•  Fellarten: Langhaar (Rough) und Kurzhaar (Smooth)
•  Fellfarben: Sable (vom helleren Gold Sable bis zum dunkel mahagonifarbenen Dark Sable), Tricolor, Blue Merle,
Sable Merle (Fehlfarbe im FCI), Weiß mit farbigem Kopf und Körperflecken (Fehlfarbe im FCI)
•  Lebenserwartung: 12-16 Jahre